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Nattern und Eidechsen müssen sich an neues Zuhause gewöhnen

Naturschutz Für ein Gewerbegebiet in Mayen müssen Reptilien umziehen Damit sie nicht zurückkehren, wird ein Zaun gebaut

Mayen. Mitten im wilden Pflanzenwuchs am Mayener Klingelnberg haben Arbeiter der KommAktiv einen Schutzzaun errichtet. Dieser soll verhindern, dass Schlingnattern und Mauereidechsen in ihre alte Heimat zurückkehren. Die Tiere sollen in einen neuen Lebensraum umgesiedelt werden denn auf der Fläche ihres bisherigen Zuhauses entsteht ein neues Gewerbegebiet.

Der geplante Bereich des Gewerbegebiets ist an den Katzenberger Weg angebunden und umfasst den Etzlergraben. Bei einem artenschutzrechtlichenOutachten wurde aber festgestellt, dass dort auch einige schützenswerte Arten leben. Zwar konnten nur einzelne Mauereidechsen und Schlingnattern nachgewiesen werden, dennoch müssen diese Reptilien laut dem Bundesnaturschutzgesetz nun umgesiedelt werden. Ihr neues Zuhause befindet sich westlich des Etzlergrabens in Richtung des Triaccawegs. Damit die Reptilien nicht wieder ihre alte Heimat aufsuchen, wurde ein 160 Meter langer Schutzzaun errichtet, der sie von ihrer bisherigen Heimat trennt. Für den neuen Lebensraum wurden auf der etwa 1,3 Hektar großen Fläche bereits im Februar einige Büsche und Sträucher entfernt (die RZ berichtete). Zudem wurden einige Bäume gerodet, damit die neuen Bewohner genügend Licht und Wärme abbekommen. Mit der Umsiedlung der Tiere soll noch in diesem Monat begonnen werden.
Dazu äußert sich Margot Bechtoldt, Vorsitzende des Nabu Mayen und Umgebung, kritisch: „Ich bin nicht glücklich, dass solche Gebiete zur Bebauung ausgesucht werden." Aus ihrer Sicht passiert es immer wieder, dass die wirtschaftlichen Interessen wichtiger sind als der Naturschutz. Dadurch würden Flächen geschädigt, die sensibel sind für die Botanik und einige Tierarten. Und das führt zu weiteren Problemen: ,,Ein Eingriff in das Ökosystem macht den nächsten erforderlich", erklärt Bechtoldt.
Ihrer Ansicht nach stehen der Stadt Mayen nicht mehr viele mögliche Bebauungsgebiete zur Verfügung. Somit fürchtet Bechtoldt, dass die Stadt zunehmend auf ökologisch wertvolle Flächen zurückgreifen wird. Deswegen rechnet sie mit Konflikten, wenn in Zukunft die nächsten Bauvorhaben anstehen. Doch wie soll der 160 Meter lange Zaun die Tiere davon abhalten, ihr altes Zuhause aufzusuchen? Da der Zaun aus einer rutschigen Plane besteht, ist es den Reptilien nicht möglich, darüber zu klettern. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass die Tiere den Zaun umgehen, weil sie dafür beschattete Bereiche, Fußgänger und vorbeifahrende Autos passieren müssten. Diese Lebewesen scheuen aber Lärm und bevorzugen lichtdurchflutete Gebiete.
Dennoch erklärt der Biologe Thoma Esser, Teilhaber des beauftragten Büros für Faunistik aus Köln, dass es keine absolute Garantie dafür gibt, dass die Schlingnattern und Mauereidechsen nicht in ihren alten Lebensraum zurückkehren. Ebenso wenig könne man von einer vollständigen Umsiedlung aller Kriechtiere ausgehen. Es konnten zwar durch regelmäßige Begehungen und die Prüfung möglicher Verstecke der betroffenen Arten einzelne Individuen nachgewiesen werden, „aber von einer 100prozentigen Erfassung kann man nicht ausgehen", so Esser. Trotzdem wird versucht, möglichst alle Reptilien umzusiedeln.
Ein ähnliches Projekt wurde kürzlich bereits in Ochtendung mit Erfolg in die Wege geleitet: Dort soll auf einer Fläche, auf der ebenfalls schützenswerte Arten entdeckt wurden, ein Logistikzentrum entstehen. Die in diesem Gebiet lebenden Zauneidechsen mussten auf den Michelsberg umgesiedelt werden. Sigrid Lenz, eine zuständige Biologin, bestätigt, dass sich die Tiere bereits erfolgreich reproduziert haben.

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